Mein Leben in der Depression und alles andere.

Über

Alle Erzählungen beruhen auf wahren Begebenheiten aus meinen Leben.

Alter: 20
 


Werbung




Blog

Aber eigentlich will ich leben.

Wir sitzen im Auto vor meiner Wohnung, rauchen filterlose Zigaretten und schweigen. Es ist schon dunkel und kalt draußen, ich zittere.,,Warum redet man eigentlich nicht über das Sterben?"Unterbreche ich die Stille und schaue ihn an.Er weiß, dass ich krank bin und auch von meinen Selbstmordversuch weiß er Bescheid. ,,Nun," sagt er, ,,Man redet nicht darüber, weil wir ja jetzt leben und ich denke, dass du auch noch zu jung bist um darüber nachzudenken. Du hast dein ganzes Leben noch vor dir, wenn man älter ist fängt man schon öfter darüber nach zu denken."Gedankenverloren bläst er den Rauch aus.Ich denke oft über das Sterben nach und ich habe auch keine Angst davor. Meine Mutter und einer meiner besten Freunde sind gestorben, einer durch Krankheit, einer durch Mord. Auch das weiß er.,,Ich denke in letzter Zeit oft darüber nach," antworte ich.,,Hast du ein Testament?" Er ist ernst. Sehr ernst.,,Ja. Ich denke mir, wenn ich jetzt sterbe, dann wüsste sonst niemand, was nach meinen Tod nach mir passieren soll. Ich habe mir schon einen Plan gemacht. Ich möchte einen Sarg in einer Haiform.",,In einer Haiform?" Er lacht kurz, dann ist er wieder ernst. Ich schaue weiter aus der Windschutzscheibe auf ein Fenster, in dem ständig das Licht an und wieder ausgeht.,,Ja in einer Haiform. Und anstellen des Grabsteins soll die Flosse hervorgucken. Das würde ich schön finden.",,Nun." sagt er und dreht sich noch eine Zigarette, ,,Das wäre wahrscheinlich nicht möglich, wenn der Sarg aus Holz ist, würde die Flosse die Witterung nicht all zu lange überstehen und wenn die Flosse nur aus Stein wäre, der restliche Sarg aber aus Holz, wäre das auch sehr unwahrscheinlich, dass das jemand machen würde. Hast du dich schon erkundigt? Zu dem müsste die Flosse, sehr lang sein, damit sie aus der Erde hervorguckt, das würde sehr komisch aussehen.Es tut mir Leid, aber ich glaube du hast deinen Gedanken nicht ganz zu Ende gedacht."Und wie immer trifft er den Nagel auf den Punkt und das tut weh.,,Dann möchte ich neben meiner Mutter begraben werden, in einem Ruhewald." Das Gefühl von Trotzigkeit kommt in mir hoch und ich schlucke es runter und drehe mir lieber auch noch eine Zigarette.,,Ich habe Angst davor, dass ich niemals wieder ,,normal" werde. Das ic es nicht schaffe da rauszukommen. Ich bin so schwach. Ich krieg Panikattacken, wenn ich unter Leuten bin, selbst wenn es meine Freunde sind. Ich breche immer häufiger zusammen, dabei wünsche ich mir nur, dass ich irgendwann wieder leben kann, ohne das alles."Ich fange an zu weinen. Er nimmt mich in den Arm. Tröstet mich.,,Du bist nicht schwach. Diese Schwäche ist eigentlich eine Stärke, und du weißt..."Wir reden noch gut eine halbe Stunde über das Thema und Anderes. Ich steige zitternd aus dem Auto aus und sehe hoch zu dem Fenster. Das Licht flackert nicht mehr sondern scheint trübe aus dem Fenste. Ich gehe hoch in meine Wohnung.Ich falle in eine Welle zurück, schaffe es aber mich zu betäuben und abzulenken. Später liege ich alleine in meinem viel zu großen Bett, mein Körper unfähig sich zu bewegen kämpft im Inneren gegen bestimmte Substanzen an. Eis und Feuer. Ich denke über unser Gespräch nach und seit langer Zeit, habe ich das Gefühl, dass ich leben möchte.

1 Kommentar 14.3.16 22:07, kommentieren

07.03.16

Hi.Erwartet nicht, dass ich euch meine Lebensgeschichte in allen Details erzähle, also wo ich wohne, wie ich heiße usw.Einzele Details werdet ihr beim Lesen erfahren, da es ein Blog über mich ist.Mein Leben, meine Gefühle und meine Krankheit, die zurzeit einen großen Teil meines Lebens ein nimmt. Ich bin depressiv.Aber grade geht es mir ganz gut.Draußen regnet es und ich sitze in meinem Wohnzimmer, rauche und höre Musik und erhole mich von meinen gestrigen psychischen Zusammenbruch, der mich fast wieder in eine schwarze Welle getrieben hätte.So beschreiben mein Therapeut und ich meine Depression, in schwarzen Wellen.Ich bin nicht immer depressiv, es gibt auch Tage an denen es mir richtig gut geht, aber wenn so eine Welle kommt, bin ich zu nichts fähig. Es ist nicht so, dass ich traurig bin, oder andere negative Gefühle habe.Wenn so eine Welle kommt, fühle ich nichts. Gar nicht Es ist als ob alles gute, alles positive, jeder Hoffnungsschimmer, jedes Glücksgefühl oder jede erfreuliche Erinnerung, die man sich ins Gedächtnis ruft, wenn man vielleicht traurig ist, nichts mehr bedeutet.Bei meiner stärksten schwarzen Welle, ging es soweit, dass ich mir die Pulsadern aufgeschnitten habe, ohne etwas dabei zu fühlen. Ich wollte wirklich sterben und auch jetzt, habe ich diese Gedanken immer noch.Jedoch habe ich mich nie selbstverletzt, (ich hasse dieses Wort - ritzen), ich experimentiere gerne seit 1 1/2 Jahren mit Drogen, aber alles im Rahmen.Wenn eine Welle kommt, bin ich nicht fähig, jemanden Bescheid zu sagen, da immer wieder die gleichen Gedanken aufkommen, dass ich den Menschen eine Belastung bin.,,Oh Mann jetzt muss ich mich wieder mit einer heulenden 18 Jährigen depressiven rumschlagen."Das klingt gemein, ich weiß und ich weiß auch jetzt, wo es mir grade ganz gut geht, keiner meiner Freunde so reagieren würde, aber wenn man da erstmal drin ist kommt man aus diesen Gedanken nicht mehr raus. Obwohl es für meine Freunde auch nicht einfach ist, wie ich langsam begreifen, wenn man in einer Depression gefangen ist, dann distanziert man sich automatisch von ihnen, ohne, dass ich es eigentlich möchte.Aber ich kann halt nicht einfach mit ihnen feiern gehen und tuen, als ob alles perfekt wäre, dafür geht es mir zurzeit zu schlecht.Auch kann man nicht wirklich darüber reden, jedenfalls nicht mit allen seiner Freunde. Meine beste Freundin, Polin und ich vergöttere dieses Mädchen, und mein Mentor, der wie ein Vater für mich ist, sind die einzig beiden Menschen, mit denen ich über meine Depression reden kann.(Er war es auch, der mich gestern gerettet hat, zu sich geholt hat und sich den ganzen Abend rührend um mich gekümmert hat, während ich stundenlang geschrieen und geheult habe.)Ich habe auch versucht mit einen anderen sehr guten Freund darüber zu reden, aber es ist schwer. Ich liebe diesen Menschen, aber er gehört zu der Kategorie, ,,Aber jedem Menschen geht es doch mal schlecht, das kennt ja jeder, das ist doch normal."So etwas macht mich einerseits wütend, anderseits denke ich mir, die Menschen wissen es halt nicht besser und meinen es auch nicht so, es ist nur ihre Ansicht der Dinge, allerdings ist es wie oben beschrieben nicht so, dass wenn man depressiv ist, man traurig ist und ich finde es auch nicht schlimm, dass ich nicht mit jeden darüber reden kann, da ich es sehr schwer fand es mir überhaupt einzugestehen, dass ich krank bin und das es auch okay ist krank zu sein, deswegen bin ich in Therapie.Allerdings fragt man sich auch als Außenstehende Person, um auf das Tema zurück zu kommen, WAS KANN ICH MACHEN, WENN MEINE FREUNDIN/ FREUND DEPRESSIV IST?Ich sag euch gleich, es ist nicht einfach. Ich habe es von beiden Seiten erlebt, meine frühere beste Freundin war Borderlinerin und depressiv und als Außenstehender ist es nicht einfach, wenn man so etwas nicht durch hat, es zu verstehen, was man machen kann, ist:1. Seit für diese Person da, versucht sie abzulenken, auch wenn sie es nicht möchte, man muss sie wirklich zwingen und bloß nicht locker lassen.2. Distanziert euch bitte nicht von ihr, ihr müsst nicht 24/7 bei ihr sein, aber Freundschaften sollten gepflegt werden.3. Behandelt sie nicht als ob sie krank wäre. (So geht es mir so.) Ich möchte nicht, wie aus Porzellan angefasst werden, oder dauernd daran erinnert werden, dass ich depressiv bin, meine Freunde wissen, dass ich zurzeit etwas schwächer bin und das ist okay.4. Erzählt auch was von euch, aus eurem Leben. Mich interessiert es zum Beispiel auch, was meine Freunde ohne mich machen, wie gestern wo meine Mädels feiern waren und ich meinen Zusammenbruch hatte, trotzdem möchte ich auch wissen, was sie machen und wie es für sie war, den sie sind genauso viel Wert und haben genauso Probleme wie ich, nur das meine etwas extremer, in meinem Spektrum sind.5. Lachen, Ablenkung, Ermutigung, Bestätigung.Und Verurteilt sie nicht, dafür, was sie sich eventuell in einer der Wellen antuen. So das wäre es erstmal, meine Polin kommt wahrscheinlich gleich.Und ich sitze mit einer Tasse Tee und Zigaretten auf der Couch, höre traurige Musik, aber mir geht es doch grade ganz okay.

2 Kommentare 6.3.16 15:08, kommentieren