Mein Leben in der Depression und alles andere.

Aber eigentlich will ich leben.

Wir sitzen im Auto vor meiner Wohnung, rauchen filterlose Zigaretten und schweigen. Es ist schon dunkel und kalt draußen, ich zittere.,,Warum redet man eigentlich nicht über das Sterben?"Unterbreche ich die Stille und schaue ihn an.Er weiß, dass ich krank bin und auch von meinen Selbstmordversuch weiß er Bescheid. ,,Nun," sagt er, ,,Man redet nicht darüber, weil wir ja jetzt leben und ich denke, dass du auch noch zu jung bist um darüber nachzudenken. Du hast dein ganzes Leben noch vor dir, wenn man älter ist fängt man schon öfter darüber nach zu denken."Gedankenverloren bläst er den Rauch aus.Ich denke oft über das Sterben nach und ich habe auch keine Angst davor. Meine Mutter und einer meiner besten Freunde sind gestorben, einer durch Krankheit, einer durch Mord. Auch das weiß er.,,Ich denke in letzter Zeit oft darüber nach," antworte ich.,,Hast du ein Testament?" Er ist ernst. Sehr ernst.,,Ja. Ich denke mir, wenn ich jetzt sterbe, dann wüsste sonst niemand, was nach meinen Tod nach mir passieren soll. Ich habe mir schon einen Plan gemacht. Ich möchte einen Sarg in einer Haiform.",,In einer Haiform?" Er lacht kurz, dann ist er wieder ernst. Ich schaue weiter aus der Windschutzscheibe auf ein Fenster, in dem ständig das Licht an und wieder ausgeht.,,Ja in einer Haiform. Und anstellen des Grabsteins soll die Flosse hervorgucken. Das würde ich schön finden.",,Nun." sagt er und dreht sich noch eine Zigarette, ,,Das wäre wahrscheinlich nicht möglich, wenn der Sarg aus Holz ist, würde die Flosse die Witterung nicht all zu lange überstehen und wenn die Flosse nur aus Stein wäre, der restliche Sarg aber aus Holz, wäre das auch sehr unwahrscheinlich, dass das jemand machen würde. Hast du dich schon erkundigt? Zu dem müsste die Flosse, sehr lang sein, damit sie aus der Erde hervorguckt, das würde sehr komisch aussehen.Es tut mir Leid, aber ich glaube du hast deinen Gedanken nicht ganz zu Ende gedacht."Und wie immer trifft er den Nagel auf den Punkt und das tut weh.,,Dann möchte ich neben meiner Mutter begraben werden, in einem Ruhewald." Das Gefühl von Trotzigkeit kommt in mir hoch und ich schlucke es runter und drehe mir lieber auch noch eine Zigarette.,,Ich habe Angst davor, dass ich niemals wieder ,,normal" werde. Das ic es nicht schaffe da rauszukommen. Ich bin so schwach. Ich krieg Panikattacken, wenn ich unter Leuten bin, selbst wenn es meine Freunde sind. Ich breche immer häufiger zusammen, dabei wünsche ich mir nur, dass ich irgendwann wieder leben kann, ohne das alles."Ich fange an zu weinen. Er nimmt mich in den Arm. Tröstet mich.,,Du bist nicht schwach. Diese Schwäche ist eigentlich eine Stärke, und du weißt..."Wir reden noch gut eine halbe Stunde über das Thema und Anderes. Ich steige zitternd aus dem Auto aus und sehe hoch zu dem Fenster. Das Licht flackert nicht mehr sondern scheint trübe aus dem Fenste. Ich gehe hoch in meine Wohnung.Ich falle in eine Welle zurück, schaffe es aber mich zu betäuben und abzulenken. Später liege ich alleine in meinem viel zu großen Bett, mein Körper unfähig sich zu bewegen kämpft im Inneren gegen bestimmte Substanzen an. Eis und Feuer. Ich denke über unser Gespräch nach und seit langer Zeit, habe ich das Gefühl, dass ich leben möchte.

14.3.16 22:07

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Charly (14.3.16 21:10)
Gut geschrieben {emotic(applause)}

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